Großes Interesse an Energiegespräch zur Wärmepumpe im Landratsamt Kulmbach

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt war am Donnerstagabend der große Sitzungssaal des Kulmbacher Landratsamts. Rund 90 Besucher, zum Teil bis aus Unterfranken angereist, interessierten sich für die mittlerweile siebte Ausgabe der Kulmbacher Energiegespräche. Zum Schwerpunkt „Wärmepumpe“ hatte die Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, Ingrid Flieger, eine Reihe von Experten eingeladen, die das Thema aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchteten.

Als ehrenamtlicher Energieberater konnte der Kulmbacher Holger Wolfgramm von den Erfahrungen bei der Installation einer Luft/Wasser-Wärmepumpe in seinem Privathaus berichten. Mit der seit 2009 vor dem Haus aufgestellten Wärmepumpe wird die Umgebungswärme aus der Luft auch noch bei leichten Minusgraden genutzt, um ein weitgehend ungedämmtes Zweifamilienhaus zu heizen. Für Wolfgramm liegen die Vorteile der Luft/Wasser-Wärmepumpe vor allem bei den verhältnismäßig niedrigen Installationskosten, da gegenüber anderen Wärmepumpensystemen keine Erdkollektoren oder Sondenbohrungen benötigt werden. Außerdem sind durch die Außenaufstellung keine umfangreichen Arbeiten im Haus notwendig. Durch die Nutzung der Umgebungswärme - aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt die Wärmepumpe drei Kilowattstunden Heizenergie - sinken laut Wolfgramm auch die Heizkosten. In dem Zweifamilienhaus spart er nach eigenen Angaben pro Jahr mehr als 2.000 Euro gegenüber einer herkömmlichen Ölheizung.

Das Kulmbacher Unternehmen ASK Geotherm bietet Wärmepumpenlösungen für Privathäuser, aber auch für große Industriebetriebe an und unterhält einen eigenen Bohrtrupp. Wesentlicher Vorteil einer Sondenbohrung ist für Firmenchef Florian Schneider die höhere Energieausbeute. Durch eine solche in der Regel bis zu 100 Meter tiefe Erdwärmequelle könnten aus einer Kilowattstunde Strom eben nicht nur drei, sondern bis zu viereinhalb Kilowattstunden  Heizenergie gewonnen werden. Auch Klaus-Hermann Hofmann vom Ingenieurbüro Hofmann-Heimbucher berichtete von seinen Erfahrungen mit Geothermie-Probebohrungen.

Bürger, die sich fragen, ob ihr Grundstück für eine solche Sondenbohrung geeignet ist, erhalten in Bayern wertvolle Unterstützung durch das Landesamt für Umwelt. Marcellus Schulze, Chef der erst vor wenigen Wochen am LfU in Hof eingerichteten Abteilung für Geothermie, erläuterte dazu das Internetangebot des Freistaats. Unter www.energieatlas-bayern.de ist für jeden Standort zunächst eine Grobanalyse möglich, in der bereits nach wenigen Sekunden erkennbar ist, ob sich ein Grundstück generell für eine Bohrung eignet oder zum Beispiel aus wasserschutzrechtlichen Gründen ausscheidet.

Im Anschluss an ihre Vorträge mussten die Experten zahlreiche Fragen aus dem Publikum beantworten, zudem konnten sich die Besucher im Foyer über die im Landkreis Kulmbach ansässigen Wärmepumpenhersteller Glen Dimplex und Alpha-Innotec informieren.

Die eigens aufgebaute Ausstellung „Geothermie - Wärme aus der Erde“ vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ist übrigens noch bis Freitag, 30. März zu den üblichen Öffnungszeiten im Landratsamt Kulmbach zu besichtigen.

Der Erweiterungsbau des Landratsamtes Günzburg nutzt Erdwärme

Hinter der neuen, modernen Fassade des Erweiterungsbaus am Landratsamt Günzburg wird sich ein ausgeklügeltes System verbergen, mit dessen Hilfe Energie gespart und damit auch die Umwelt geschützt wird. Bereits beim Architektenwettbewerb wurde für die neuen Gebäudeteile ein KFW-30-Standard gefordert. Erreicht wird dieser Wert durch eine gute Wärmedämmung, die Vermeidung von Wärmebrücken und vor allem durch eine ausgefeilte Technik.
Beheizt wird das Gebäude durch die Nutzung von Erdwärme. Durch den Einsatz einer Wärmepumpe wird mit einer elektrischen Leistung von 20 KW ca. 80 KW Heizleistung erzeugt. 21 Erdsonden in jeweils 99 m Tiefe nutzen die Erdwärme zur Grundtemperierung des Gebäudes. Es wird jedoch nicht Wasser aus dem Untergrund geholt, sondern die Erdwärme wird in einem geschlossenen Kreislauf durch einen Wärmetauscher genutzt. Nach dem Wärmetauscher zirkuliert das im Winter 22 °C warme Wasser in einem zweiten geschlossenen Kreislauf in Rohrleitungen innerhalb der Stahlbetondecken (sog. Betonkerntemperierung). Die Grundbeheizung des Gebäudes erfolgt also über die Decken. Zusätzlich gibt es eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung, die dafür sorgt, dass in den Büros ein stündlicher Luftwechsel stattfindet. Im Sommer kann die Betonkerntemperierung auch zur Gebäudekühlung verwendet werden, indem ca. 19 °C „kühles“ Wasser in die Leitungen gepumpt wird, das wiederum die Erdsonden über den Wärmetauscher abgeben.
Durch das neue, innovative System wird ca. 75 % weniger Energie verbraucht als bei einer herkömmlichen Anlage mit Erdöl oder Erdgas. In etwa 12 bis 15 Jahren werden sich die Mehrkosten bei den Investitionen für die Erdwärmesonden amortisiert haben.