Energiewende als große Chance

Die beschlossene Energiewende stellt Kommunen vor große Herausforderungen, birgt aber auch Chancen für den ländlichen Raum. Dieser Ansicht ist der Präsident des Bayerischen Landkreistages, Jakob Kreidl.

Als die Meldungen aus Fukushima über den dpa-Ticker liefen, war ich entsetzt. Nach dem ersten Schock bewegte mich vor allem das Mitgefühl für die Opfer der Katastrophe.

Aufgrund der dramatischen Ereignisse war mir klar, dass man die Augen vor den Gefahren der Atomtechnologie nicht verschließen kann. Damit hat die aktuelle Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Zeitalter eine andere Dimension erreicht. Die Energiewende ist nur in einem gesamtgesellschaftlichen Kraftakt zu bewältigen. Ich sehe daher die Diskussion auf allen Ebenen positiv: „Nur wenn alle Kräfte zusammenwirken, kann ein Umstieg gelingen“



Die Kommunalpolitik und insbesondere die Landkreise unterstützen den Atomausstieg in vollem Umfang. Die Landkreise haben bereits vor dem Atomausstieg große Anstrengungen im Bereich der Erneuerbaren Energien, bei der Energieeinsparung und bei der Energieeffizienz unternommen und werden nun in ihrer Politik bestärkt.

Die Energiewende bringt aus meiner Sicht große Chancen für den ländlichen Raum. Über Biogas, Biotreibstoffe und Holzenergie entwickelt sich ein neues Wertschöpftungspotential für die Land- und Forstwirtschaft in der Region. Dazu kommen lokale Windparks, neue Gaskraftwerke, Geothermie und alle Möglichkeiten, umweltfreundliche Energie zu gewinnen. Dies erfordert einen heute noch kaum abzuschätzenden Kapitaleinsatz, der aufgrund der ergeizigen zeitlichen Zielsetzung aus Steuermitteln allein nicht zu schultern ist. Hier gilt es wie immer, möglichst schnell Lösungen zu entwickeln, die solche Projekte mitfinanzieren.

Windräder und Solarparks stoßen häufig auf den Widerstand der Anwohner.
Hier müssen wir die Bürgerinnen und Bürger „mitnehmen“. Die Akzeptanz von Energieerzeugungsanlagen und Stromleitungen muss gefördert werden, indem die Kommunen und die Bürger an der Wertschöpfung beteiligt werden. Auch die Planungs- und Genehmigungsverfahren sind möglichst auf der Ebene der Landkreisverwaltung zu bündeln. Die gesetzlichen Einwirkungsmöglichkeiten der Landkreise als Vertreter gemeindeübergreifender, ländlicher Interessen sind generell zu stärken. Nur die Kommunen vor Ort können die Akzeptanz beim Bürger schaffen. Ich plädiere daher dafür, dass die Kommunen beim Bau von Windrädern und Solaranlagen die Weichenstellungen selbst vornehmen."

Landrat Jakob Kreidl
Präsident des Bayerischen Landkreistags